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Beitrag 05/09

by Erich Sturmair last modified 2009-04-21 10:25 — expired

Führungs in der Produktion - Aufgabe oder Kunststück?

Erfolgreiche Führung in der Produktion ist der zentrale Erfolgsfaktor schlechthin. Im Fokus  dabei steht mit konzentrierten, leistungsfähigen und verantwortungsvollen Mitarbeiter/Innen eine hohe Produktivität zu erreichen. In einem Umfeld zunehmender Automatisierung von Produktions- und Prozesssteuerung, Uniformität der Bedienabläufe und Individualisierung durch Einzelarbeitsplätze, ist diese Aufgabe besonders schwierig.

Der direkte Kontakt zu den Mitarbeitern und der tägliche Führungsdialog in einem Umfeld breiterer Führungsspannen entwickelt sich schlichtweg zu einem Zeitproblem. Den Überblick zu halten über die Arbeitsprozesse, die täglichen Management- und Administrationsaufgaben und die persönliche, direkte Führung ist ein Kunststück der persönlichen Arbeitsgestaltung und ist nur mit moderner Informations- und Kommunikationstechnik zu schaffen. Die Führungskräfte in der Produktion sind wahre Talente im Management der Vielfältigkeit und des allseitigen Unmutes.

Die Automatisierung stellt auch an die Mitarbeiter neue Anforderungen, nämlich Produkte, die mit Maschinen deren Bedienung uniformer ist, in größtmöglicher Differenzierung herzustellen. Die Flexibilität von Herstellungsprozessen ermöglich es individuell angepasste Massenware zu produzieren. Beispielweise ist die Fensterherstellung so eingerichtet, dass sich der Kunde Fenstermaß, Form, Farbe, Beschlagsausstattung usw. mit einem Konfigurator individuell wählen kann. Für die Produktionslinie bedeutet dies, dass jedes Fenster anders ist und keine Standardserie hergestellt wird. Nur mehr der Computer weiß, was als nächstes dran ist. Versagt der Computer oder die Verbindung zu den dezentralen  Bestellsystemen (Fensterkonfigurator beim Verkäufer), steht die Produktion still.

Die Verantwortung für die Arbeit wird dabei mental an den Computer abgetreten. In diesem Umfeld ist das Interesse und Verantwortung für die eigene Arbeit besonders schwierig, denn die Einflussmöglichkeiten sind gering. Die Überwachung moderner Produktion ist monoton und abwechslungslos, es schafft mentalen und körperlichen Leerlauf. Das bedeutet nicht etwa nichts zu tun sondern bewegungsarme und monotone Überwachungs- und Steuerungaufgaben zu erfüllen und dabei stets für den Störfall gerüstet sein, um diesen erfolgreich abfangen zu können. Diese Situation führt zu erhöhtem Stresspegel der nicht durch  Bewegung oder dynamischen  tun abgebaut werden kann.

Eine Möglichkeit zur Unterbrechung dieser Situation ist der Kontakt via Handy mit der gesamten Umwelt. Es vermischt sich die Arbeitsdynamiken, mit der gesamten Beziehungswelt von Menschen. Teammitglieder scheren zeitweise mental aus der Gruppe und verbinden sich mit ihrer privaten Umwelt. Die Probleme der Familie, Schulprobleme, Nachbarschaftsstreit oder einer Nebenbeschäftigung werden unmittelbar Teil der Arbeitswelt und umgekehrt in der Freizeit wird kommt via Handy und Computer die Arbeitswelt ins Wohnzimmer.

Die Vermischung der persönlichen Sphären und die stete Verbindung mit der ganzen Welt ist für die Gruppen- und Teambildung von besonderer Bedeutung. Als zusätzlicher Faktor belastet die Abtretung der Prozesshoheit an das Automationssystem  die Verantwortungsbereitschaft und fachliche Lernwilligkeit der einzelnen Arbeitsgruppenmitglieder.

Die Herausforderung an die neue Führung in der Produktion ist, Modelle für die Gestaltung von Arbeitsbeziehungen  in der Kommunikationsgesellschaft, sowie neue Rollen für die Bewältigung der fachlichen Komplexität zu entwickeln. Nur wem es gelingt gute Antworten auf diese Herausforderung zu finden und die Qualifikation der Mitarbeiter dafür zu gewährleisten schafft es den bevorstehende Wandel, ausgelöst durch die aktuelle Krise, zu meistern.

Dafür gibt es keine uniformen Modelle und braucht es angepasste und abgestimmte Lösungen, zugeschnitten auf das jeweilige Unternehmen. Moderne Produktionsführungskräfte brauchen Grundlagen der Organisationsentwicklung und des Changemanagements. Sie müssen Entwicklungsprozesse veranlassen, gestalten und mit externer  Begleitung den Blick erweitern und gewohnte Pfade verlassen. Aufgaben und Funktionen die bisher von zentralen Stellen des Personalmanagements initiiert und betrieben wurde.

In Zukunft werden Produktionsführungskräfte die stete Anpassung, den permanenten Wandel ihrer Organisationseinheit an die sich schnell ändernden Bedingungen, als neue Kernaufgabe ihrer Funktion erkennen, begreifen und umsetzten müssen.

Die Unternehmensberatung mensch>>wissen>>ordnung bietet für Unternehmen Organisationsentwicklungsbegleitung für Produktionsführungskräfte die mit Hilfe analoger Methoden (z.B. systemische Aufstellung), neue Wege beschreiten können.

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