Beitrag 12/09
Kulturauftrag der Erwachsenenbildung versus Gewinnorientierung der beruflichen Weiterbildung
Eine subjektive Betrachtung der Erwachsenenbildungslandschaft.
Was ist der Unterschied der einen Unterschied macht? Die Diskussion ist philosophisch, ein Widerstreit vor dem Hintergrund von Ideologien, von unterschiedlichen Wertvorstellungen oder von ökonomischen oder qualitativen Bewertungen die zumeist nicht haltbar sind. Ein Aspekt erscheint jedoch entscheidend zu sein. Die Erwachsenenbildung in Bildungswerken und Kulturvereine, von Volkshochschulen, von Kirchen und politischen Bewegungen bzw. Parteien lebt vom Engagement der Beteiligten.
Berufliche Weiterbildung und Personalentwicklung ist ökonomisch bedingt und muss ich rechen, das bedeutet sie ist gewinnorientiert.
Der vielleicht entscheidende Unterschied ist die finanzielle Mittelaufwendung im Verhältnis zum Lerntransfer.
Zu Beginn dieses Jahres schrieb ich hier einige Gedanken zum Buch die „Weiterbildungslüge“. Als gelernter Personalentwickler, Trainer und Bildungsbegleiter waren die Aussagen nachvollziehbar und schlüssig. Angesichts der beobachtbaren Transferraten von vielen Kompetenzentwicklungsmaßnahmen ein kommt man sehr leicht zum Schluss, das hier ein Millionengrab zu entdecken ist.
Dem Autor bin ich jedoch sehr dankbar,
weil mich die Lektüre anstiftete andere Felder in der Erwachsenenbildungslandschaft zu suchen.
Da gibt es diejenigen Menschen, welche die Lust am Lernen entdeckten und sich weiterbilden um ihre Neugier zu stillen. Es gibt Menschen die ihr Hobby bis zu eine professionellen Spitze entwickeln oder beschließen ein Kunsthandwerk zur Freizeitgestaltung zu lernen. Die Transferraten sind dabei sagenhaft, beinahe alles was da gelernt wird lernt findet unmittelbar Eingang in die jeweilige Praxis. Die Lernwelten dir mir da begegneten sind Volkshochschulen, Eltern-Kind-Zentren, Kulturvereinen, Theatergruppen und politische Parteien. Ich hörte vom Lernen in den Heimstunden der Jungschar und vieler anderen kirchlichen Einrichtungen.
Die Beobachtung dieser Lernwelten lässt einige Ideen entstehen.
Der Schluss liegt nahe, der Stein der Weisen in der Kompetenzentwicklung ist gefunden. Es werden alle Mitarbeiter soweit entwickelt bis ihre Tätigkeit so lustvoll ist, sodass es ihrem Hobby gleicht. Wie wir alle wissen gibt es das Paradies auf Erden nicht und selbst im Paradies gab es den Sündenfall.
Diese Auseinandersetzung brachte mich mit Persönlichkeiten in Berührung die daran interessiert sind, dass Menschen lernen – egal was. Ein Geschenk für das ich sehr dankbar bin.
Die Paradigmen der allgemeinen Erwachsenbildungslandschaft hilft den Fokus von Weiterbildung zu verändern, denn dabei steht die Lernlust an sich im Mittelpunkt. Vor diesem Hintergrund kommt man bei der Kompetenzentwicklung im betrieblichen Kontext zu anderen Überlegungen und Vorgehensweisen.
Die Tatsache, das MitarbeiterInnen lernen zählt viel mehr als der unmittelbare Transfernutzen. Das Einrichten der richtigen Rahmenbedingungen für Lernen wird wichtiger als das konkrete Lernziel oder das unmittelbare Ergebnis . Die Sichtweise, dass lernfähige Mitarbeiter notwendiges Wissen aufbauen und teilen ist in einer Arbeitsplatzgestaltung als Lernwelt fast selbstverständlich. Denn die Prämissen betrieblicher Kompetenzentwicklung ist nach die MitarbeiterInnen zu befähigen. ihrer gestellten Aufgaben effektiv und effizient zu erledigen.
Diese Unterscheidung führt mich unmittelbar zu dem Punkt: "Was können die EntwicklerInnen und ErwachenenbildnerInnen tatsächlich voneinander lernen". Was können sie einander Nutzen stiften.
Das führt uns zu dem Unterschied, der tatsächlich einen Unterschied ergibt. Die ökonomischen Mittel und Sachzwänge. Das heißt betriebliche Weiterbildung ist trotz Krise mit Mittel ausgestattet die allgemein Erwachsenenbildung leidet permanent unter finanzieller Knappheit. Die großen Weiterbildungsfirmen (BFI, WIFI usw.) die Menschen aus- und weiterbilden sind da in einer Zwischenpostion. Den sie bekommen eine Teil des Weiterbildungskuchens und auch die Mittel die Menschen individuelle aufwenden, um ihr Lernen selbst bestimmen zu dürfen.
Die Frage „Wie können die beiden Lernwelten einander ergänzen?“ wäre doch hier die richtig gestellte Frage. Ein erster Schritt wäre, dass das Lernen im Rahmen der allgemeinen Weiterbildungswelt als Teil der Kompetenzentwicklung verstanden wird. Ein weiterer Schritt wäre, das betriebliche Weiterbildung Ressourcen und Mittel in diese Lernwelt einbringt.
Das gegenseitige Kennenlernen ist dazu Voraussetzung.
Vielleicht entspricht meine Sicht der Bildungslandschaft nicht der Wirklichkeit. Ich würde mich freuen, wenn mir Leser ihrer Sicht der Erwachsenenbildungslandschaft mitteilen würden